Verantwortung für die Entwicklung des Kulturstandortes Uferhallen

Offener Brief

➙ an die Aktionäre und Eigentümer der Uferhallen AG
➙ an die Abgeordneten des Landes Berlin

Berlin hat Eigenbedarf
Die Zukunft des Kulturstandortes Uferhallen steht auf dem Spiel

Wir Mieter*innen der Uferhallen, vertreten durch den Uferhallen e.V., übernehmen Verantwortung für die Entwicklung des Kulturstandortes Uferhallen.
Unser Ziel ist es, aus dem Gesamtareal herauslösbare Flächen in eigener Regie zu entwickeln. Gerade die Gebäude aus den 20er und 30er Jahren, die aus Gründen des Denkmalschutzes keinesfalls überbaut werden dürfen, würden sich dafür eignen. Wir suchen nach einer Lösung, die dem Denkmalschutz und unseren Bedürfnissen gerecht wird. Derzeit arbeiten wir an einem Modell, das die Langfristigkeit einer kulturellen Nutzung deutlich über 30 Jahre hinaus sichern kann – idealerweise durch ein Erbbaurecht. Um den Mietzins gering zu halten, wollen wir durch Eigenleistung und Selbstverwaltung die Rahmenbedingungen für einen kostengünstigen Betrieb schaffen.

Seit 2007 hat sich das Gelände in der Uferstraße 8-11 mit den gegenüberliegenden Uferstudios zu einem international anerkannten, pulsierenden Standort entwickelt. Die Uferhallen beherbergen neben Ateliers und Atelierwohnungen auch Tanz- und Proberäume, Tonstudios, eine Konzert- und eine Ausstellungshalle, Werkstätten, Gastronomie und vielseitige Veranstaltungsräume. Die Uferhallen sind ein unersetzlicher Ort des kulturellen Austausches. Auf diesem Gelände leben und arbeiten mehr als 150 Menschen. Mit mehreren hundert Besuchern täglich sind wir ein fester Teil der Kulturszene und der Stadtgesellschaft Berlins.

Im Sommer 2017 wurde das Uferhallen-Areal von dem Firmengeflecht der Samwer-Brüder durch Erwerb der Aktienmehrheit der Uferhallen AG als Höchstbietender übernommen. Die neuen Vorstände haben im Jahr 2019 ihre Pläne vorgestellt, welche eine massive Nachverdichtung des Geländes mit vielgeschossigen Neubauten vorsehen. Damit verbunden war das Versprechen an die Künstler, dass ihre Mietflächen erhalten bleiben. Die bisher vorliegenden Angebote der Eigentümer zur künftigen Miethöhe sind jedoch für die derzeitigen Nutzer*innen nicht bezahlbar. Damit wäre die Kontinuität des Kulturbetriebes beendet und die Identität der Uferhallen zerstört.

Um die aktuellen Verhandlungen fruchtbar fortsetzen zu können, fordern wir die Politik auf, uns weiter mit allen Mitteln zu unterstützen. Wir fordern den Eigentümer auf, an einer zukunftsfähigen Lösung mitzuwirken, die den Fortbestand des Kulturstandortes gewährleistet. Der Schritt in eine nachhaltige Zukunft kann nur gemeinsam gelingen.

In Berlin steht die Zukunft kultureller Standorte auf dem Spiel. Können Künstler*innen und kulturelle Produktionsstätten nur noch an der Peripherie überleben? Oder besteht die Möglichkeit, wirtschaftliche und gesellschaftliche Interessen so auszutarieren, dass auch eine sich rasch verändernde Metropole wie Berlin in ihrer Mitte weiterhin Freiräume für gesellschaftliche Veränderung und kreative Entwicklung bietet?

Es bedarf eines festen politischen Willens, um deutlich zu machen, dass eine Stadt wie Berlin auf kulturelle Standorte wie die Uferhallen nicht verzichten kann.
Und es bedarf der Bereitschaft von privaten Eigentümern, gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen.

gez. vom Vorstand des Uferhallen e.V. am 16. Januar 2020
Kontakt: Siehe Formular unten

Wir brauchen bitte eure Unterschrift bei change.org

 


OPEN LETTER

Eviction is a reality in Berlin! And the future of cultural institution Uferhallen is under threat!

We, the tenants of Uferhallen, under the auspices of Uferhallen Association, have assumed responsibility for the development of the cultural institution Uferhallen.

Our goal is to develop separate areas within the Uferhallen compound of our own accord, which, in particular, include buildings from the 1920s and 30s under historic preservation. As such, these historical monuments are legally protected from demolition or redevelopment, and therefore lend themselves to our purpose. We are seeking a solution that both upholds the stipulations of historic preservation and fulfils our needs. We are currently working on a model to ensure that the usage of the compound remains cultural – well beyond 30 years – through heritable building rights. In order to keep rents low, we are invested in creating the general conditions necessary for cost-effective operations, and by means of our own contributions and self-administration.

Since 2007, the compound located at Uferstraße 8-11, with the Uferstudios just across the street, has developed into a vibrant and internationally recognised location. In addition to studios and studio apartments, the Uferhallen also house dance and rehearsal rooms, recording studios, a concert and exhibition hall, workshops, gastronomic spaces, and versatile event rooms.

The Uferhallen provide a crucial and unique place for cultural exchange. More than 150 people live and work at this site. With several hundred visitors daily, we make up an integral part of the city of Berlin and its cultural scene. In the summer of 2017, the Uferhallen were taken over by a network of companies called the Samwer Brothers. The acquisition came about through a bidding war over the majority of shares of Uferhallen AG.

In 2019, these new board members presented their plans for a massive re-development of the site into new multi-storey buildings. These plans were submitted with the promise to the artists and cultural actors of Uferhallen that their rental space would be safeguarded. However, the owners current offers regarding future rent prices are categorically unaffordable for the current tenants. This would spell the end for the cultural activities that currently take place here, thereby effectively destroying the identity that is so fundamental to the Uferhallen. In order to be able to meaningfully participate in ongoing negotiations, we call upon local politicians to continue their support for our position with all their capacity. We call on the owners to participate in generating a viable, long-term solution that will guarantee the continuity of this cultural institution. A sustainable future can only take shape through collaboration. The future of cultural locations in Berlin as a whole is under threat. Can artists and sites of cultural production only survive on the periphery? Or is it possible to reconcile economic and social interests in such a way that even a rapidly changing capital city lik e Berlin may provide accessible space for social change and creative development? It takes firm political will to make clear that a city like Berlin cannot afford to lose cultural locations like Uferhallen. And it requires the willingness of private owners to assume social responsibility.