Verantwortung für die Entwicklung des Kulturstandortes Uferhallen

5. Februar 2020

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Streit um Uferhallen – Investor stellt Pläne im Ausschuss vor

Streit um Uferhallen – Investor stellt Pläne im Ausschuss vor. Das Atelier von Peter Dobroschke müsste weg. Es liegt genau dort, wo ein großer Wohnturm entstehen soll – zumindest wenn es nach den Investoren geht, die nun ihre Pläne für den Umbau der Weddinger Uferhallen im Stadtentwicklungausschuss Mitte vorgestellt haben. „Hier sind Strukturen über sehr lange Zeit gewachsen“, sagt Dobroschke. „Wir sind schon bereit für Veränderung, aber machen uns große Sorgen, dass es so für uns nicht funktionieren kann.“

Die Uferhallen sind seit vielen Jahren ein angesehener Berliner Kulturstandstandort. Mehr als 70 Künstler haben sich dort mit ihren Ateliers niedergelassen. Es finden Ausstellungen und Konzerte statt. Doch nun fürchten die Kulturschaffenden um ihre Zukunft. Denn seit 2017 ist die Investorengruppe Augustus Capital der größte Anteilseigner der Uferhallen AG. Die plant nun auf dem Gelände an der Panke ein schickes Areal mit neuen Wohnungen und Ateliers. Klingt hip, klingt cool – klingt aber vor allem nach einem sehr lukrativen Geschäft für die Investoren. Vor zwei Wochen berichtete ich über die Hintergründe.

Zumindest in einem Punkt scheinen sich alle Beteiligten einig: Die Künstler sollen bleiben. Doch unter welchen Bedingungen, darüber gibt es Streit. Das wurde beim Treffen im Stadtentwicklungsauschuss am vergangenen Mittwoch deutlich. Die Künstler schlugen erneut vor, einen Teil des Geländes in Erbpacht zu übernehmen und selbst zu verwalten. Der Geschäftsführer der Uferhallen AG, Felix Fessard, lehnt das ab. Beteuerte aber schon früher gegenüber dem Tagesspiegel: „Für den Betrieb der Ateliers am Standort werden aktuell verschiedene Modelle geprüft, auch um eine bezahlbare und langfristige Nutzung zu ermöglichen.“ Eine Trennung des Areals sei baurechtlich nicht möglich und außerdem auch nicht erwünscht.

Ein erster Entwurf des Architekturbüros „Ortner & Ortner“ zeigt nun zehn unterschiedlich große Neubauten, die zwischen den bestehenden Gebäuden entstehen sollen. Teilweise sollen alte Bauten abgerissen werden. Allerdings hat der Denkmalschutz ein Wort mitzureden. Außerdem gibt es noch keinen Bebauungsplan.

Nicht nur möglicherweise steigende Mieten machen den Künstlern Sorgen, sondern auch die Nähe zu den Wohnungen. „Der Lärmschutz macht in Berlin schon Clubs und anderen Kulturstätten zu schaffen, wieso sollte es uns anders gehen“, sagt Dobroschke.

Unterschiedliche Vorstellungen gibt es auch darüber, was unter einer langfristigen Planung zu verstehen ist. Fessard spricht von Mietverträgen für 20 Jahre, die Künstler wollen aber mindestens 60 Jahre bleiben. „Wir wollen nicht nur Pakete schnüren, für die die jetzt schon da sind“, sagt Peter Dobroschke. „Wir wollen darüber hinaus denken. Künstler sollen sich hier weiterhin für bezahlbare Mietpreise ansiedeln können. Wir wollen die Uferhallen als Kulturstandort für Berlin erhalten.“ Als Vorbild nehmen sich die Künstler die Uferstudios, ein Zentrum für zeitgenössischen Tanz in unmittelbarer Nähe. Dort wurde ein Erbachtvertrag für 196 Jahre abgeschlossen.

Die Künstler pochen weiterhin auf das Erbpachtrecht, obwohl das eigentlich so gut wie vom Tisch zu sein scheint. In den nächsten Tagen wollen sie sich mit Kultursenator Klaus Lederer treffen. Mittlerweile gibt es auch eine Online-Petition für den Erhalt der Uferhallen, die bis Mittwochvormittag 3930 Menschen unterschrieben haben. In den kommenden Wochem stehen weitere Verhandlungen an. Eine Lösung ist noch lange nicht gefunden.

Autor: Julia Weiss